Wir feiern den Hochzeitstag des Königspaares

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Am 19. Juni 1976 heirateten König Carl XVI Gustav und Silvia Sommerlath und das Menü lehnte schon an der alten Essenstradition Lachs, Geflügel und Erdbeeren am Mittsommer an. Zufällig fiel der 39. Hochzeitstages des Königpaares am Mittsommerabend, und weil wir eigentlich Mittsommer mit Tanz um den Baum am folgenden Tag feiern wollten, bot es sich an, am Freitag abend „anders“ zu feier. (Dann musste die Mittsommerfeier wegen scheußligen Wetters verschoben werden, hoffentlich feiern wir stattdessen nächste Woche Sonntag auf der Kugler Alm). Eilmeldung: Wir feiern am Freitag, den 26. Juni. Siehe Link.

Daher gab es bei uns Lachsmousseline Königin Silvia. Der Name des Gericht wurde von der Königin sogar abgesegnet. Meisterkoch Tore Wretman war sicher sehr stolz. Es ist auch ein tolles Gericht. Hier habe ich es abgelegt.

Dieses Gericht wurde als warme Vorspeise beim Hochzeitsessen des Königspaares am 19. Juni 1976 serviert. Außerdem gab vorher Aspik mit echtem Kaviar, als Hauptgericht kalte schottische Taube mit Stopfleber und Chaudfroidsauce. Zum Schluss Walderdbeeren mit Vanilleeis und Schlagsahne.

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Mit dem Dessert konnte ich auch aufwarten.

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Hering, neue Kartoffeln mit Dill und saurer Sahne zum Mittsommer

Am Wochenende feiern wir Mittsommer. In Schweden schon am Freitag. Der Mittsommertag am Samstag ist ein Feiertag, aber wird vor allem zum Ausschlafen benötigt. Die Partys steigen alle am Freitag, genau wie der Tanz um den Baum. Freitag ist zwar kein Feiertag, aber fast keiner arbeitet am Nachmittag. Das Lachs-Hähnchen-Menü von früher ist passé. Heutzutage gibt es Hering, Kartoffeln, saure Sahne, Schnittlauch, Knäcke und Käse zum Einsteigen. Dann wird gegrillt. Erdbeeren gibt es auch, genau wie vor 100 Jahren. Wer zum Kochen keine Lust hat, kauft sich einfach ein paar Gläser Hering im Supermarkt. Auch in Deutschland sind sie überall zu finden. Es gibt halt nicht so viele Sorten. Aber Senfhering bekommt man zum Beispiel von der Firma Larsen. Den kann man auch selber machen. Siehe hier. Oder hier:   Bei uns im Verein feiern wir am Samstag auf der Kugler Alm, siehe hier. Das Essen bringt man selber mit oder kauft im Biergarten. Wenn das Wetter wirklich ganz ganz schlecht ist, fällt die Feier aus. Wenn es nicht schüttet, sind wir jedoch da. Erfahrungsgemäß kommen viele junge Familien, wenn das Wetter stimmt. Schau´n mer mal. Ich hoffe auf einen schönen sonnigen Nachmittag mit vielen bekannten und unbekannten Gesichtern!

Königliche Hochzeitsmenüs

Juni ist der Hochzeitsmonat, auch in der Königsfamilie, und deshalb kann es interessant sein, die Menüs der Brautpaare zu vergleichen. Elch ist z. B. kein Thema für eine Festmahlzeit im Sommer, falls man nicht auf TK-Fleisch zurückgreifen will, was man zu Prinzessinenhochzeiten vermeiden möchte. Vor ein paar Jahren habe ich Tore Wretmans Mat & Minnen im Second Hand gefunden, und es ist ein schönes Buch zum Blättern und Lesen. Da schönes Wetter, habe ich am Samstag lieber den Nachmittag auf der Terrasse mit diesem Buch als vor der Glotze verbracht. Prinz Carl Philips Hochzeit war sicher schön, aber ich musste sie nicht sehen. Wie auch immer, Tore Wretman, der Held der schwedischen Küche, war nämlich zuständig für das Essen als der König seine Silvia heiratete. Dies war am 19 Juni 1976, also obacht! Im nächsten Jahr wird 40. Hochzeitstag gefeiert! Tore Wretman war es, der die französische Küche nach Schweden wieder einführte (nach den vielen mageren Jahren im 20. Jahrhundert), der das Smörgasbord neu ordnete und damit rettete und der außerdem die schwedische Hausmannskost aufwertete. Im nächsten Jahr hätte Tore Wretman übrigens seinen 100. feiern können, wenn er noch lebte.

Der 19. Juni ist so nah an Mittsommer wie es nur geht, und wie man sieht, hat Tore Wretman für das königliche Menü an das klassische schwedische Mittsommeressen angeknüpft, und gleichzeitig etwas klassisches, kontinentales gekocht.

Laut Wretman hat man früher zum Mittsommer folgendes gegessen, zum Beispiel im Grand Restaurant Saltsjöbaden:

Ein paar Schnittchen (um den Schnaps zu legitimieren)

Frisch geräucherter Lachs mit Spinat und pochiertes Ei

Hähnchen, gerne ein halbes Stubenküken pro Person, mit Sahnesauce

Erdbeeren mit Schlagsahne und Eis

 

Als Carl XVI Gustav und Silvia heirateten gab es:

Aspik mit iranischem Kaviar

Lachsmousse (Rezept kommt bald!)

Kalte schottische Taube mit Gänseleber und Sauce chaude-froide

Frische Walderdbeeren mit Vanilleeis und Schlagsahne

 

Die Ähnlichkeiten sind nicht von der Hand zu weisen. Ein solides klassisches Menü. Mir würde es gefallen.

Ich habe noch nach den Menüs der Königskinder recherchiert und da fällt einem vor allem auf, dass es dabei eine förmliche Geschmacksexplosion gibt. So viel dolles wie möglich, aber ganz wenige Kalorien, außer im Nachtisch. Da haben wohl in allen Fällen die Bräute ziemlich viel von ihrem Senf dazu gegeben. Und, mit Ausnahme von der Hochzeit von Madeleine und Chris (Kalbsfilet), war das Essen fleischfrei, das heißt Fisch und Meeresfrüchte in Hülle und Fülle. Eigentlich finde ich das nicht sehr fair den Gästen gegenüber, auch wenn ich gerne Fisch esse. Normalerweise sollen die Gänge in einem Menü etwas variierter sein, sowohl im Geschmack, wie auch in den Farben. Bei der Kronprinzessin gab es sonderbarerweise Vanilleeis in weißer Schokolade zum Erdbeer-Rhabarbermousse.

Hier das aktuelle Menü von letzter Woche (Prinz Carl-Philip und Sofia):

Weißer Spargel, in Hollerblütensud gekocht, mit Kaviar (wahrscheinlich vom Saibling oder Felchen) und Spargel-Schnittlauchemulsion (soll wohl Sauce bedeuten)

Kaiserhummer/Kaisergranat (gab es auch bei Victoria) in Koriandersud (Körner oder Grünes?) gekocht, mit Jakobsmuschel auf dem Herd (vielen Dank für die Auskunft) gebraten und mit einer Yuzu-sauce (eine Art Zitrusfrucht), mit Fichte abgeschmeckt (klingt natürlich doll, aber Fichte schmeckt schon nach Terpentin). Dazu Waldsauerklee (allzuviel kann es wohl nicht sein, da nicht sehr gesund in größeren Mengen) und Erbsen. (Die große Boulevardzeitung Aftonbladet erklärt aller Ernstes, dass Waldsauerklee nur an der Westküste wächst und dem Meisterkoch Lallerstedt völlig unbekannt ist, was total komisch klingt, da es überall Waldsauerklee gibt.)

Leicht graved, angebratener Zander mit gegrilltem Gemüse, karamellisierte Crème Fraîche (?) und geräucherte Butter

Pfirsich- und Himbeertartelette mit weißer Schokolade, Champagner- und Pfirsichsorbet

Hoffentlich gab es gescheite Sättigungsbeilagen dazu, damit die älteren Herrschaften wie König Harald und Staatsminister Löfvén nicht unerwartet wieder hungrig vom Tisch aufstehen mussten. Nur vier Gänge scheint Tradition zu sein. Es klingt etwas mickrig für eine königliche Hochzeit, aber man muss bedenken, dass der König in den 70. Jahren heiratete, als Sparsamkeit höchstes Gebot war. Und die Königskinder dürfen vielleicht nicht den König übertrumpfen. Aber ist eine Prinzenhochzeit wirklich die richtige Gelegenheit für ein Weight-Watcher-Menü?

Am Freitag den 19. Juni will ich die Vorspeise von 1976 nachkochen. Das Rezept kommt dann ein paar Tage später. Ihr könnt es ja für 2016 aufheben und dann den 40. Hochzeitstag des Königspaares feiern.

Weiches Dünnbrot aus dem Norden

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Ihr kennt sicher die dünnen Brotrollen aus dem Norden, die man mit zum Beispiel Renntierfleisch (Renskav) oder sonst was füllt (Fast-Food aus Lappland). Dieses dünne Brot wird heutzutage maschinell hergestellt und im ganzen Land verkauft. Bei IKEA gibt es Tunnbröd als TK (jedenfalls gab es schon mal). Ich habe selbst Brot, das als weiches Tunnbröd beschrieben wird, gebacken, und rollen kan man es schon, aber nicht wirklich so wie das dünne Kaufbrot. (Das harte knusprige Tunnbröd findet Ihr zum Backen hier. Da es haltbar ist, kann man es auch im Urlaub kaufen und mitbringen.) Es ist einfach zuviel Hefe drin. Das Brot wird zu dick.

Nun habe ich recherchiert. Früher gab es in Lappland/Norrland praktisch nur Gersten- und Hafermehl, weil man kein anderes Getreide anbauen konnte/kann. Dieses Mehl lässt sich ganz schlecht backen. Deshalb backte man ungesäuerte Fladen und garte sie direkt auf dem Herd oder im Backofen. Wahrscheinlich waren sie hart und nicht zum Rollen. Später konnte man Weizen- und Roggenmehl aus dem Süden importieren und Backtriebmittel gab es auch. Angeblich hat man gerne Hirschhornsalz genommen.

(Meine Recherchen zum Thema Backtriebmittel ergaben, dass schon Mitte des 19. Jahrhunderts keine Spuren vom Sauerteig in den Kochbüchern vorhanden waren. Backpulver und Hirschhornsalz habe ich dort auch nicht gefunden, aber Hefe. Ich glaube, man hat damals Brauereihefe genommen, weil die Mengenangaben einem komisch vorkommt. Kurze Zeit später gab es schon die normale Backhefe, die dann als Presshefe bezeichnet wurde.)

Nun ja, wenn man in Deutschland die angesagten Dünnbrotrollen machen und nicht deswegen zu IKEA gurken möchte, dann habe ich jetzt ein Rezept gefunden und etwas retromäßig verarbeitet. Vielleicht vertiefe ich mich noch diesbezüglich ein wenig und probiere auch die Fladen mit Kartoffelbrei im Teig aus. Es gibt nämlich jede Menge Rezept im Internet, die angeblich alle noch von der Oma stammen. Die aber nicht wirklich uralt ist/war, was man sich denken kann.

Also, hier geht es zum Rezept (bitte herunterscrollen).

Eine traditionelle Vorspeise

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Jahrhunderte lang bekamen die Bauern, nach der langen Fahrt mit Pferd und Wagen oder Schlitten, ein schönes Buffet mit Schnaps aufgetischt, wo sie sich die Zeit vertreiben konnten, bis die letzten Gäste (ohne Uhren) zu den ländlichen Feiern eintrudelten. Zuerst gab es einen ganzen Schnaps (Helan – 6 cl), dann einen halben (Halvan – 3 cl) und dann konnte es noch weiter gehen. Erst dann gab es Mittagessen.

Die (klein-)bürgerliche Gesellschaft wollte auch nicht auf ihren Schnaps vorweg verzichten, aber die Hausfrau in der Stadtwohnung, die keinen Stab von Mägden hatte, wurde zunehmends vom Smörgåsbord vor jedem Mittagstisch mit Gästen überfordert. So fing man an, das Buffet gegen drei kleine Schnittchen auszutauschen. Sie konnten einfach bis fein sein. Hauptsache es gab einen Schnaps als Aperitif dazu.

Diese traditionelle Vorspeise passt vorzüglich zu einem traditionellen Mittsommermenü. Als Hauptgericht gibt es dann Brathähnchen, schön tranchiert mit Sauce. Als die glücklichen Hähnchen gegen Industriebroilers ausgetauscht wurden, war nix mit feierlich, und das Menü verschwand. Heute gibt es wieder schöne Hähnchen zu kaufen. Das Mittsommermenü mit den drei Schnittchen und Hähnchen ist aber vergessen. Heute gibt es ein Heringsbuffet (aus dem Glas, meistens) mit Dillkartoffeln und saurer Sahne. Nachher wird gegrillt. Aber als Nachtisch gibt es immer noch etwas mit Erdbeeren. Hier sind die Schnittchen abgelegt.