Bloß Schweden schwedische Stachelbeeren hat…

… sagte der Schriftsteller Jonas Love Almquist im Exil. Er war der Autor von „Die Woche mit Sara“, einem zu seiner Zeit sehr progressiven Buch über die Liebe, die Ehe und die Selbständigkeit der Frauen. Und außerdem ist es der bisherig einzige Roman, wo die Heldin aus meiner Heimatstadt Lidköping kommt. Dass Jonas Almquist zuerst nach Amerika überstürzt abhauen musste und dann in Bremen starb, um der Heimat wenigstens etwas näher zu sein, war ja nicht unverschuldet. Es soll seinen Verleger mit Gift ermordet haben, um seine Schulden nicht bezahlen zu müssen, was aber aufflog.

Wie auch immer – die Stachelbeeren sind in Bremen rein objektiv sicher nicht schlechter als die in Schweden – also steht nichts im Wege, eine Stachelbeertorte aus alten Zeiten zu backen. Im Originalrezept gehören viele Bittermandeln hinein (und da wären wir wieder beim Gift, obwohl mit Stachelbeertorte hat der Dichter seinen Verleger wohl nicht umgebracht), die aber ganz sicher gegen Bittermandelöl ausgetauscht werden können. Hier geht es zum Rezept.

Bald ist Mittsommer – an den Hering denken…

Schon vor Jahrzehnten, wenn nicht vor Jahrhunderten, störte es den Behörden, dass die Leute Mittsommer mitten in der Woche so ausgiebig feierten. So was muss doch ans Wochenende gelegt werden… Aber daraus wurde ein langes Wochenende, denn das Feiern geht schon am Freitag Nachmittag los und da ist nichts mehr mit arbeiten. Da die Schweden, die in Deutschland leben, doch noch an dem Nachmittag arbeiten, haben wir unsere Mittsommerfeier auf den Samstag verlegt. Traditionell gibt es da schwedischen Matjeshering mit saurer Sahne und neuen Kartoffeln. Andere Heringssorten tun es auch. Jetzt ist es daher höchste Zeit, selbst Hering einzulegen, wenn es welchen geben soll. Ich habe erst gestern daran gedacht. Zwar sollen die Heringe in meinem Rezept länger ziehen, als ich Zeit habe, aber einen Versuch ist es dennoch wert. Das Ergebnis erzähle ich dann nachher.

Für die meisten Rezepte fängt es mit 1 – 2 – 3 an. 1 ist ein Teil Essig 12% (wer 24%-iger hat, muss 1/2 Teil Essig und 1/2 Teil Wasser berechnen), 2 Teile Zucker und 3 Teile Wasser. Aufkochen und abkühlen oder kalt klar rühren ist Geschmacksache. Kalt über die gewässerte Heringe oder über die Matjesfilets gießen und mindestens ein paar Tage ziehen lassen. Dann die anderen Zutaten zusammenrühren (siehe jeweiliges Rezept) und die Heringe damit verrühren und nochmals ziehen lassen, manchmal reichen ein paar Stunden, aber je länger desto besser. Aber wie gesagt, bis Mittsommer ist nicht viel Zeit.

Sonst kann man auf die bewährten Gläschen zurückgreifen.

Wir feiern jedenfalls im Biergarten Kugler Alm, Perlacher Forst, bei München am Samstag 23.6. ab 16 Uhr. Bis zur Begegnung Deutschland – Schweden im Fussball-WM um 20 Uhr sind wir schon lange fertig. Inzwischen gibt es in vielen deutschen Städten die Möglichkeit zum Um-den-Mittsommerbaum-tanzen. Einfach im Internet danach suchen.

Viel Spaß beim Froschtanz! Vielleicht sehen wir uns! (Falls es schüttet und der Biergarten zu hat, fällt die Feier leider buchstäblich ins Wasser, d h verschoben, siehe Homepage.)

Hörnchen mit dem Hörnchenschneider ausprobiert

Ingrid A., Bäckerin in Ruhestand, hat wohl ihre Gäste im Sommerhäuschen (angeblich gab es zur ihrer Zeit Kaffeekränzchen, kombiniert mit Andachten auf dem sehr unebenen Grundstück vor dem Haus – die Leute sind möglicherweise buchstäblich vom Hocker gefallen) mit Hörnchen bewirtet. Ansonsten wüsste ich nicht, warum sie einen Hörnchenschneider im Schrank in der Waschecke hätte vergessen sollen. Weder ihre Tochter, noch eine spätere Besitzerin, haben damit etwas anfangen können, und somit durfte ich nun das Ding ausprobieren. Die leckeren Hörnchen mit Marzipan-Bananenfülle, von einem in Stockholm ansäßigen Bäcker zuerst gebacken, könnt ihr aber auch ohne Hörnchenschneider nachbacken. Hier geht es zum Rezept.

Der fast antike Hörnchenschneider ist völlig in Ordnung. Das nächste Rätsel ist die Zahl 542 auf dem Ding. Was hat sie zu bedeuten?

Unsere Lieblingsriegel in Schweden

Diese Schokoriegel kaufen wir immer, wenn in Schweden. Die Namen sollen wohl international anmuten. Sonst sind Gutsies zum selbst sammeln total beliebt. Wer auf großen Straßen durch Schweden fährt sieht ab und zu eine umgebaute Tankstelle, wo superbillige „Lösgodis“ – Gummibärchen etc. zu verkaufen sind. Als ich klein war, gab es die losen Gutsies nur im Kiosk. Da kamen wir mit unseren Münzen an und sagten: Dies und dies und das, und reicht das Geld noch für zwei davon? Die Tüten waren winzig. Heute werden die Gutsies in Riesentüten oder gleich in Eimerchen gekauft, und nicht nur samstags, wie früher. Es sind aber auch viele Erwachsene, die darauf stehen und zwar nicht zu knapp. Der bekannte Chefredakteur, Dichter und Politiker G. G. in Dalarna kann z. B. die Finger gar nicht davon lassen und hofft auf eine Zuckersteuer, um seine Sucht in den Griff zu bekommen. Wobei die ziemlich heftig sein müsste, damit er sich keine Gummibärchen mehr leisten könnte. In Norwegen haben sie so eine Steuer eingeführt. Nun fahren die Norweger in ein riesiges Einkaufszentrum an der Grenze mitten im Nirgendwo in Värmland und decken sich mit Süssigkeiten (und mehr) ein. So kann es gehen. Der Grenzhandel und die offiziellen Tourismuszahlen in Schweden profitieren sehr von der hohen Preislage und der Zuckersteuer in Norwegen. Derweil begnügen wir uns im Urlaub mit ein paar Schokoriegel.

Rhabarber-Kardamom-Holunderblüten-Mazarinkuchen

Es ist meine Variante von der Rörstrandkuchen, einmal Gewinner des jährlichen Kuchenwettbewerbs in Lidköping. Das Rezept habe ich nicht gefunden, aber mit dem Kuchen bin ich wirklich hoch zufrieden. Wenn der Rand noch etwas schöner wäre (es hat wohl etwas Teig gefehlt) finde ich ihn selbst cafétauglich. Genug des Selbstlobs. Zum  Rezept geht es hier. Ich habe es ganz unten ergänzt. So ein Kuchen macht ganz sicher weniger Arbeit als viele kleine Küchlein.

Kochen auf Sparflamme

Auch wenn ich in Schweden gerne alte Kochbücher auf dem Flohmarkt kaufe – hier das Prinzessinnen-Kochbuch von 1941 – gekocht wird wenig.

Hier die Prinzessinnen in der Tracht der Haushaltsschule – natürlich konnte niemand früher Kronprinzessin werden, wenn sie nicht vorher eine bodenständige Ausbildung genossen hatte!

Unser tägliches Brot auf dem Land ist Knäckebrot mit Hering aus dem Glas. Die Gläser sind gut ausgespült auch für Nachtische geeignet. Einmal habe ich nämlich ein neues Rezept ausgetestet. Aber sehr, sehr abgewandelt. „Allackerbeere in Honiggelee“ von Laurent Tassel, einem französichen Koch, der mal in der schwedischen Kochnationalmannschaft kochte. Bloß hatte ich natürlich keine Allackerbeeren – sie sind echte Nordlichter – nur Rhabarber. Dann war es mir zu mühsam, unter einfachsten Verhältnissen echten Vanillepudding zu kochen und habe stattdessen Vanillejoghurt und Sahne mit Gelatine angedickt. Das Gelee habe ich jedoch fast nach Rezept gemacht.

Unten im Glas ist demnach „Vanillepudding“. Darauf Rhabarberkompott mit Rhabarber aus eigener Ernte. Das Gelee ganz oben habe ich so gemacht: Die abgepellte Schale der Rhabarberstangen in Wasser kochen – ergibt eine schöne natürliche Farbe. 250 ml (Rhabarber-)wasser mit 100 ml Honig und (im Idealfall) 2 ausgekratzten Vanilleschoten erhitzen. 1,5 Blatt Gelatine in kaltes Wasser legen, ausdrücken und im Honigwasser auflösen. Besonders fest wurde es nicht, entweder sollte es so sein, oder Rhabarber und Gelatine vertragen sich nicht, aber etwas hat es schon bewirkt. Wenn kalt, aber nicht fest, über das Kompott löffeln und alles kalt stellen. Lecker war es schon.

Zum Fototermin kamen die Gläser ins Schlafzimmerfenster mit Blick auf die Garage.

Rätsel raten

Als wir unser Häuschen in Schweden kauften, lag dieses Ding noch im Schrank in der „Waschecke“. Ich habe mich schon gefragt, was es sein könnte.

Auf einmal fiel es mir aber ein! Wir hatten gerade Besuch von den Nachbarn gehabt und mal eine ehemalige Besitzerin erwähnt. Es war die erste Person, die das Austragsstüberl als Ferienhaus benutzte. Vorher wohnten zum Beispiel ein Vater und seine Tochter drin. (Da gab es noch kein Strom im Haus. Wasser holen wir immer noch aus dem Brunnen.) Die Tochter orgelte sonntags in der Kapelle und in der Woche auf der noch vorhandenen Tretorgel im Häuschen. Dann wurde in den 70-ern das Haus versteigert und Ingrid A., Bäckerin aus dem nächsten Ort, kaufte es für 8.000 Kronen, wie die Nachbarn noch wissen. Anhand dieses Wissen schlug es mir plötzlich, was das Ding vorstellen könnte. Ich werde es demnächst ausprobieren und feststellen können, ob ich mit meiner Annahme richtig liege. Möchte jemand miträtseln?

Einmal hielt ein Auto mit vier betagten Leute vor dem Haus. Ein altes Ehepaar wollten den Berg / Hügel hinter dem Haus anschauen (aber zum Glück nicht besteigen – er ist etwas steil), wo sie sich verlobt hatten. Dies war vielleicht zur Zeit vom Vater mit der orgelnden Tochter. Ich glaube, sie waren beide in der Gegend ziemlich beliebt.