Wichtel auf dem Dachboden

Wenn in Schweden jemand spinnt, sagt man: Du hast wohl Wichtel auf dem Dachboden!

Inzwischen kennt ja jeder den schwedischen Tomte. Er hat sich über die Jahre sehr verändert. Noch vor gut hundert Jahren wusste man, dass er sich irgendwo im Haus oder auf dem Hof aufhält. Er war sehr spießig. Es gefiel ihm nur bei fleißigen und ordentlichen Bauersleut´. Bei denen half er kräftig mit. Er war meistens unsichtbar, aber wenn er sich ab und zu zeigte, wurde er als graues Männchen beschrieben. Schlampigen Bauern verließ er einfach. Dann ging alles viel schneller Berg ab. Immer noch gibt es Leute, die dem Tomte einen Teller Reisbrei am Heiligen Abend herausstellen – nicht dass er besonders christlich wäre, aber inzwischen erwartet er an diesem Tag seinen leckeren Brei. Und bitte schön mit einem Klecks Butter oben drauf, sonst wird er stinksauer. Der Hoftomte wurde dann freundlich mit roter Mütze gezeichnet. Da bekam er einen gewaltigen Aufschwung. Der schwedische Illustrator von Coca Cola, der diese neumodischen Weihnachtskarten kannte, entwickelte ihn weiter. Er war selbst ein großer, kräftiger Mann. Der Jultomte wurde auch als großer, kräftiger Mann mit Zipfelmütze und ganz in rot geschildert. Da haben wir ihn, den uns bekannten Weihnachtsmann, eine Mischung aus Bischof Nikolaus und heidnischem Wichtel (mit persönlicher Note).

Als die Kirche im Norden Fuß fasste, war es ihr wichtig, die alten (Haupt-) Götter loszuwerden. Die anderen Wesen; Wichtel, Wassermänner, Elfen und so weiter, blieben unbehelligt. Es gab vor 1000 Jahren wohl eine ganze Heer von Wichteln, die eine gewisse Zusammenarbeit pflegten. Die Wikinger glaubten ganz fest daran. Als der norwegisch-isländischer Dichter und Krieger Egil Skalle-Grimsson (Sohn von Glatzen-Grim, der wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem norwegischen König Harald Haarschön auswandern musste) nämlich König Erik und vor allem Königin Gunhild, die in der Saga besonders schlecht wegkommt, verfluchen wollte, schlug er den Kopf eines Pferdes ab, steckte ihn auf einen Ast am Ufer mit dem Kopf Richtung Inland, kritzelte magische Runen an diesen Haselzweig und sagte seinen Spruch. Der ging so ähnlich:

Alle Wichtel des Landes (Norwegen) sollen das Land so lange verlassen (das hieß: schlechte Ernte, Hunger und Tod), bis Erik und Gunhild das Land verlassen.

Wichtel mochten keine große Tierköpfe, vor allem nicht mit geöffnetem Rachen, wie der Drachen auf dem Wikingerschiff. Der Drachenkopf sollte nämlich die Wichtel der Feinde vertreiben. Wenn man seine Freunde besuchte, nahm man den Kopf herunter, um deren Wichtel nicht zu verärgern.

Jedenfalls wirkte es hervorragend. Gleich darauf kam König Eriks kleiner Bruder Håkon aus England zurück, um mit Unterstützung seines Pflegevaters Adalstein Norwegen zu übernehmen und christlich zu machen. Erik Blutaxt (!) und seine Gunhild sausten daraufhin kampflos ab und bekamen nach einiger Zeit Northumberland von Adalstein, wo sie nach einer Pflichttaufe schalten und walten und ihre ganzen blutdurstigen Söhne erziehen konnten.

Brot oder Zwieback/Skorpa mit Fenchel und Orangenschalen, das ist die Frage

Die Mischbrote vor dem zweiten Backen.

Früher hat man sehr gerne Skorpa in einer Dose gehabt. Wenn die Nachbarin auf einen Kaffee hineinkam, konnte man nicht immer frische Zimtschnecken (oder auftauen, da keine Gefriertruhe) auftischen. Dann gab es extra dafür getrocknetes Brot, Skorpa, Zwieback. Wenn die Nachbarin keine Zähne mehr hatte, musste sie eben ihr Gebäck in den Kaffee tunken und schlürfen. Das zugegeben etwas süße Brot kann man aber auch so essen.

Nach dem Trocknen sieht das Brot dann so aus. Zum Rezept geht es hier.

Pepparkakor – Rezept von Anno dazumal

Hier kommt das Pepparkaksrezept der Saison (herunterscrollen)! Ich habe wieder ein antikes Rezept ausgegraben und getestet. Es kann sein, dass es etwas in der finnischen Art ist, denn in Finnland wird auch der Teig im Kochtopf gemacht. Die Sendung Galileo meldet sich immer wieder bei mir, in der Hoffnung, dass ich irgendwelche Filmsternchen aus Schweden in meiner Schublade habe. Einmal wollten sie, dass jemand live Pepparkakor backt. Jedenfalls hatten sie auch bei den Finnen gefragt und die waren schneller. Die Jazzsängerin Tuija Komi hat da ihren Teig im Fernsehen gekocht – das hat mich dann sehr überrascht, bis ich diese alten schwedischen Rezepte gesehen habe! Eben hat sie wieder ihre Plätzchen auf Facebook gepostet und deshalb habe ich mich daran erinnert. Übrigens gibt sie immer tolle Weihnachtskonzerte im Raum München.

Ob der Teig, wie hier gekocht, oder wie in meinem bevorzugtem Standardrezept nicht, ist wohl Geschmacksache. Dieser Teig war sehr gut zum Handhaben, wobei der andere auch nicht schlecht ist. Ich finde, das Rezept ohne Kochtopf ist besser gewürzt, aber das kann man ja abändern.

Ach ja, was wollte Galileo diesmal? Jemand, der Kaffee in der traditionellen Art der Samen in Lappland kocht. Da kommt nämlich Käse hinein. Und zwar sollte es jemand sein, der diese Kultur praktiziert und in München wohnt, was wohl ein Widerspruch in sich ist. Ja, dann, viel Glück!

9. Dezember = Pepparkaka

Heute, am 9. Dezember ist der Tag, an dem man in Schweden seit 1996 den Pepparkaka feiert! Das ist bisher an mir vorbeigegangen. Wahrscheinlich wollen die Hersteller ihre Produkte loswerden, in der Gewissheit, dass die Wenigsten schon zu Hause gebacken haben. Doch Hauptsache ist, es gibt einen Pepparkaka zum Luciatag am 13. Dezember. Da haben wir genug Zeit, auch wenn der Teig ein paar Tage im Kühlschrank ruhen soll. Hier geht es zum Rezept. Das erste Rezept im Link habe ich ganz oft hergenommen. Es gelingt immer und das Ergebni ist super! Das zweite Rezept ist historisch und ist mir auch gelungen, das einzige Mal, das ich es getestet habe. Dieses Jahr will ich ein für mich neues historisches Rezept ausprobieren. Der Teig ruht schon im Kühlschrank. König Oskar ist entweder der Urheber, oder (wahrscheinlicher) das Krümelmonster in der Backstube. Oder vielleicht nur der Namensgeber? Jedenfalls gibt es im Handel schon „Kung Oskars Pepparkakor“. Die Frage ist, geht es hier um das gleiche Rezept. Das werde ich in wenigen Tagen sehen und berichten.

In der Weihnachtsbäckerei…

Nie zuvor habe ich so viele Plätzchen zu Weihnachten gebacken. Aber dieses Jahr habe ich dazu Lust und Zeit… Diesmal wurden es Plätzchen mit Marzipan und Schwedenpunsch. Der Schwedenpunsch kann entweder in Schweden gekauft werden oder aus Arrak und anderen Zutaten selbst gemacht werden, siehe Link im Rezept oder unter Tag: Getränke. Er kann für dieses Rezept auch gestrichen werden. Wer auch in Plätzchen-Back-Stimmung ist, findet das Rezept hier. Viel Erfolg!

Wettervorhersage für Weihnachten

Am 30. November hatte Anders seinen Namenstag in Schweden. Angeblich muss man an diesem Tag nur aus dem Fenster schauen, um zu wissen, wie Weihnachten das Wetter wird, nämlich ganz anders!

Anders slaskar – julen braskar

Anders braskar – julen slaskar

Das heißt: Wenn am Anderstag Tauwetter ist, kommt Weihnachten Kälte (mit Schnee ?) und umgekehrt.

Bei uns war es den ganzen Tag mild, aber dann abends frostig. Die Frage ist nur, welche Temperatur zählt um wieviel Uhr? Und auf welchen Breitengraden gilt der Spruch? In Spanien sicher nicht, würde ich sagen. Möglicherweise noch in Deutschland. Wir müssen mal die Sache beobachten.

Sonst wird es langsam Zeit, sich auf Lucia einzustimmen. Das Safrangebäck sollte am 13. Dezember fertig sein. Viel Zeit, ich weiß, aber es gibt immer soo viel zu tun, wie die Türchen des Adventskalenders aufzumachen…

Für die Lussebullar mit Safran: Hier geht es zum Rezept. Das Sonnenrad (wie auf dem Foto) soll schon in grauer Vorzeit gebacken worden sein. Wohl aber ohne Safran und mit Sauerteig, nehme ich an. Und welche Mehlsorte sie genommen haben, frage ich mich auch, denn früher stand man ja auf Gerste und Hafer im Norden, Getreidesorten, die nicht besonders backfähig sind.

Glutenfreie Plätzchen

Es gibt fast keine schwedische Plätzchen ohne Weizenmehl. Hier ist ein Rezept aus dem Backbuch „7 Sorten Gebäck“, wo das Weizenmehl gegen Reismehl ausgetauscht wurde. Ich habe mal Reismehl gekauft, weil ich für irgendwas 1 EL oder so gebraucht habe, aber jetzt musste das Mehl weg – wenigstens ein Großteil davon. Reismehl hat m. E. einen sonderbaren Geschmack, aber mit viel Vanille, Zitronenschale und extra gehackte Mandeln war davon nichts zu spüren. Bloß geht das Ausrollen nicht so leicht von der Hand wie mit Weizenmehl. Hier geht es zum Rezept.

Inzwischen habe ich meine Weihnachtsgardinen in der Küche aufgehängt. Das ist in Schweden so Sitte. Der elektrische Leuchter gab letztes Jahr seinen Geist auf. Im Sommer konnten wir in Schweden keinen Ersatz auftreiben. Jetzt haben wir im Internet einen Leuchter gekauft, der so ähnlich aussieht. Nur ist es sichtbar eine Billigversion. Ein Glück, dass wir noch die Kerzenkränzchen von dem anderen Leuchter noch hatten. Auch verblichen sehen sie besser aus als die neuen! Ich habe auch in einem anderen Fenster einen roten Weihnachtsstern, den ich vor vielen Jahren selbst gehäkelt habe. Die Drahtstellung gab es damals im Handarbeitsladen bei mir um die Ecke in Göteborg. Dass die Farbe so gut gehalten hat, freut mich wirklich sehr.

Heute gehe ich in das Adventskonzert im Nachbardorf – und nächstes Wochenende kommt die Lucia nach München. Vielleicht sehen wir uns im Konzert des schwedischen Chores. Eine schöne Zeit wünsche ich euch!