Grüße aus Gotland

Auch wer nicht die Gelegenheit hat, nach Gotland zu fahren, kann die Insel zu sich nach Hause holen. Ein beliebtes Gericht aus Gotland ist der Safranpfannkuchen, eine Art Auflauf. Besonders Weihnachten wird er gerne gereicht. Der stockkonservative Tomte wird natürlich toben, wenn er seinen geliebten Milchreis nicht bekommt, aber man kann ganz einfach etwas Brei für ihn abzweigen, bevor man diese modernisierte Version in den Ofen schiebt. Jetzt im Januar hat der Tomte in dieser Hinsicht nichts mehr zu melden, also kann man getrost eine ganz große Ladung Brei kochen und alles für den Nachtisch verwenden.

Ich empfehle immer, Safran in Schweden zu kaufen, denn dort ist er in 0,5 g-Packungen relativ günstig und von guter Qualität zu kaufen. Allerdings habe ich auf den Freisinger Gartentage letztes Jahr auch welchen zu guten Bedingungen bekommen. Wer aber eher nach Schweden kommt, soll bloß nicht alle Regale im Laden stundenlang nach Safran erfolglos absuchen. Safran wird immer unter der Theke verkauft! Also, wenn man zur Kasse kommt, sagt man noch:

– Und dann hätte ich gerne x Pakete Safran. Dann holt die Kassiererin das Erwünschte aus ihrem Geheimvorrat.

Ein gutes neues Jahr

… oder gute Fortsetzung, wie man in Schweden sagt, wenn man mit den guten Wünschen etwas spät dran ist!

Heute gibt es nur einen Tipp, was man mit übriggebliebenem Weihnachtsschinken machen könnte. Wobei es hier schon gekochten Kasseler Braten ist. Denn auch mit dem Tipp bin ich wohl etwas zu spät dran. Bald, am 13.1.,  ist ja schon Knut und dann ist Weihnachten vorbei.

Kasseler/Schinken in schöne Würfel schneiden, mit Senf bestreichen und gerne mit Baconstreifen (es geht auch ohne) umwickeln. Dann im Brotteig backen. 1/3 Roggen, 2/3 Weizenmehl. Mit Kümmel, Anis und/oder Fenchel würzen. Was ganz toll schmeckt (aber überhaupt nicht schwedisch ist), ist Schabziger Klee, das Gewürz, das man in Vinschgauer Brot findet. Die Brötchen/Semmeln halbieren; erstens weil sie mit Füllung groß ausfallen, zweitens damit man sieht, was drin ist.

Knut war ein nicht besonders heiliger dänischer König, wobei es zwei davon zur Auswahl gibt, die als Märtyrer gehandelt werden. Jedenfalls wurde er von seiner Feinden in einer Kirche getötet und das machte ihn heilig. Knut ist ein typischer dänischer Königsname zu der Zeit, als Gewalt an der Tagesordnung war. Ich habe mich in letzter Zeit mit den Wikingern beschäftig. Der erste Knut hieß Hardeknut und war sicher ein harter Mann. Er war ursprünglich Däne, aber hatte wohl ein Königreich in England (gehabt). Er kam dann zurück nach Dänemark, aber ob er selbst König wurde, oder erst sein Sohn Gorm (eigentlich Gudrum, auf deutsch manchmal Wurm genannt/beschimpft) ist etwas unklar. Er heiratete eine Frau aus einem früheren Königsgeschlecht, um mehr Legitimität zu bekommen und das tat auch Gorm. Dessen Königin Tyra soll unglaublich beliebt sein und er hat ihr daher einen Runenstein gesetzt. Sie soll die Grenze im Süden verstärkt und möglicherweise auch die Südspitze von jetzigem Schweden fester an Dänemark angebunden haben. Gorms älteste Tochter Gonnor war m. E. Tochter einer anderen Frau und sie wurde mit dem Herzog von der Normandie verheiratet, der wahrscheinlich selbst eigentlich ein Wikinger war. Dann bekamen Tyra und Gorm Knut. Er bekam den Namen seines Großvaters und sollte König nach Gorm werden. Allerdings fiel er kurz vor dessen Tod in England. Nach Knut wurde Gunhild geboren. Sie war die Frau von Erik Blutaxt von Norwegen, der als König vorgesehen war. Gunhild soll Erik und danach ihre Söhne zu ganz schlimmen Sachen angestiftet haben, wenn man die Geschichten glaubt. Erik hielt sich aber nicht lange auf dem norwegischen Thron und musste das Land verlassen. Später wurde er König von Northumbria in England. Nach seinem Tod/Fall wurde Gunhild schließlich Königsmutter von Norwegen und sehr mächtig. Wahrscheinlich wurde der zweite Sohn von Gorm und Tyra, Harald (Blauzahn) als Nachzügler geboren, und er wurde dann König. Bis jetzt gab es keine weiteren Knuts in der Familie, weil der in England gefallenen Knut nur einen (Gold-)Harald und einen Gorm bekam. Harald Blauzahn hatte Schwierigkeiten, einen Stammhalter zu bekommen. Möglicherweise starb auch sein Erstgeborener Iring früh in England, falls es ihn überhaupt gab. Jedenfalls kam danach eine Tyra (die eine wilde Type war) und eine Gunhild (die in England ermordet wurde). Dann kam Sven (Gabelbart), den Harald ablehnte und mit dem es von Anfang an Zoff gab. Nach meinen Recherchen versuchte Harald durch seine Töchter (Tyra und eine später geborene Tochter, deren Namen und Existenz nicht ganz klar belegt sind) einen anderen (schwedischen) Erben zu organisieren, aber Sven putschte und bekam die Macht. Erst Sven griff den Namen Knut auf und wurde der Vater von einem erfolgreichen Knut, der sowohl König von England, als auch Dänemark war.

Aber genau warum man in Schweden den Christbaum an seinem Namenstag plündern und hinauswerfen soll, nachdem man singend um ihn getanzt ist, ist mir nicht ganz klar. Hmm. Kann das Wort „plündern“ vielleicht damit zu tun haben? Denn darauf verstand sich Knut sicher.

Nachtrag: Es gab zwei Probleme für die Wikingerkönige, wenn es um den Stammhalter gab. Entweder hatten sie zu viele Söhne, die sich den Schädel einschlugen, wie Harald Haarschön von Norwegen, der außer Erik Blutaxt jede Menge Kinder hatte. Oder sie hatten nicht genug, wie Harald Blauzahn. Einer konnte schnell zu früh sterben, aber auch zwei würden sich bekriegen. Damals, als die Könige (laut Gesetz) gewählt wurden, meinten die Leute, zwei Brüder sollten sich wohl einen Thron teilen können, aber das ging oft daneben. Es gibt eine Geschichte von sehr viel früher über zwei schwedische Königsbrüder. Der eine war verheiratet, aber nicht sehr gesellig, der zweite war nicht verheiratet und machte Party. Als der langweiligere Bruder ins Bett ging, blieb seine Frau mit ihrem Schwager auf und feierte weiter. Da wurde der erste eifersüchtig und schlich sich wieder in den Saal, wo er seinen Bruder erschlagen wollte, aber dieser parierte sehr schnell und am Ende lagen sie beide tot vor dem Thron.

Frohe Weihnachten! God Jul!

Tomtekunde am Tag vor dem Dopparedag (Eintunketag = der Tag an dem man Brot in fetter Brühe tunkt): Nicht nur wird am Heiligen Abend eingetunkt, es wird auch Brei serviert. Vergesst den Tomte dabei nicht! Wenn er seinen Tomtegröt/Risgrynsgröt/Reisbrei – oder im original Gerstenbrei – samt Butterklecks nicht morgen Abend bekommt, kann er sehr ungemütlich werden. Dieser Brauch ist immer noch nicht ganz vergessen. Leider gibt es viel zu wenige Hauswichtel heutzutage. Da die Bevölkerung über die Jahrtausenden größer geworden ist, reichen die Wichtel nicht für alle. Man kan nur sicher herausbekommen, ob man einen hat, wenn man ihm Brei hinausstellt. Wenn der Brei am Morgen weg ist, dann hat man einen. Wenn nicht, schade!

Der Tomte (Hauswichtel) hat angeblich seinen Namen von dem Wort Tomt (= Grundstück) oder umgekehrt bekommen. Jedenfalls ist er ziemlich sesshaft, wenn er nicht geärgert wird. Laut Überlieferung ist der Tomte männlich, lebt ewig, daher sehr alt, und vermehrt sich nicht. In dem berühmten Weihnachtsgedicht von Viktor Rydberg geht es nämlich darum, dass der Tomte sich überlegt, woher die kleinen Kinder kommen und wohin die alten Leute gehen. Die meisten Menschen kennen von dem langen Gedicht inzwischen nur diese Strophe:

Snön ligger vit på taken,

endast tomten är vaken.

(Der Schnee liegt weiß auf dem Dach, nur der Tomte ist wach.)

Tomte Tummetott aus der Geschichte wurde nach dem Daumen (= Tumme; kindlich: Tummetott) benannt, wohl weil er so klein war.

Das Wort Tummetott kennt übrigens jedes Kind vom Fingerspiel: Tummetott (der winzige Daumen), Slickepott (der Finger zum abschlecken), Långeman (der lange Mann), Gullebrand (leuchtendes Gold = Ringfinger) och Lille Vickevire (der kleine Wackelfinger).

Jetzt dürfen wir morgen früh das letzte Türchen am Adventskalender öffnen und dann gibt es Tomtebrei – Weihnachten ist da! Frohes Fest!

Lucia!

Heute kommt Lucia! Auf Youtube gibt es immer wieder neue Luciakonzerte, aber ich habe erst gestern die Münchner Lucia des Schwedischen Chores erlebt und den Wohlgesang immer noch in den Ohren!

Wer Weihnachten schwedisches Essen haben möchte, sollte sich vielleicht bald Gedanken machen, aber wirklich Eile ist nicht geboten.

Hering kann man selbst einlegen. Bei HIT in München habe ich Salzheringsfilets gesehen. Man kann aber für cremige Varianten auch Matjes in Öl nehmen. Die Heringsgläser von Larsen sind richtig gut. Es gibt sie aber nicht bei jedem Edeka. In Ebersberg bei München schon. Wahrscheinlich auch bei Karstadt Münchner Freiheit. Da habe ich auch immer Appetitsild für Janssons Versuchung gefunden. Da würde ich im Raum München zuerst versuchen. Bei IKEA gibt es auch Heringsgläser.

Lachs gibt es in jedem Laden.

Fleisch: Mit der Schnellpökelmethode bekommt man noch alle Gerichte bis Weihnachten hin. Aus einem großen Stück Wammerl/Bauchspeck kann man gleich mehrere Gerichte zaubern. Die Rippen ausschneiden und gut gewürzt im Ofen garen. Ein schönes Rechteck schneiden und daraus eine Rollsülze machen. Dieses Jahr habe ich sie traditionell gebunden und im Kochtopf zusammen mit den Abschnitten vom Wammerl und etwas Suppengemüse gekocht. Aus den Abschnitten bekommt man die normale Sülze hin. Den Sud braucht man, um das Weihnachtsbrot darin zu tunken. Man kann auch einen kleinen Schweinebraten auf dieser Weise als Weihnachtsschinken kochen. Köttbullar nicht vergessen.

Vegetarisch gibt es traditionell nicht allzuviel, außer Rotkohl, „Braunkohl“ aus Weißkraut mit Zuckerrübensirup, Grünkohl und braunen Bohnen. Aber hier und da auf dem Blog findet ihr vegetarische modernere Gerichte, die ich auch ausprobiert habe.

Viele Schweden kochen für sich und für den Tomte einen schönen Milchreis mit Zimt. Mit einer Mandel versteckt, damit herauskommt, wer im nächsten Jahr heiraten wird. Für den Tomte einen Klecks Butter, bitte schön.

Alle Rezepte habe ich unter Buffet/Julbord gesammelt.

Auf dem Foto die minimalistische Variante eines Julbords.

Wichtel auf dem Dachboden

Wenn in Schweden jemand spinnt, sagt man: Du hast wohl Wichtel auf dem Dachboden!

Inzwischen kennt ja jeder den schwedischen Tomte. Er hat sich über die Jahre sehr verändert. Noch vor gut hundert Jahren wusste man, dass er sich irgendwo im Haus oder auf dem Hof aufhält. Er war sehr spießig. Es gefiel ihm nur bei fleißigen und ordentlichen Bauersleut´. Bei denen half er kräftig mit. Er war meistens unsichtbar, aber wenn er sich ab und zu zeigte, wurde er als graues Männchen beschrieben. Schlampigen Bauern verließ er einfach. Dann ging alles viel schneller Berg ab. Immer noch gibt es Leute, die dem Tomte einen Teller Reisbrei am Heiligen Abend herausstellen – nicht dass er besonders christlich wäre, aber inzwischen erwartet er an diesem Tag seinen leckeren Brei. Und bitte schön mit einem Klecks Butter oben drauf, sonst wird er stinksauer. Der Hoftomte wurde dann freundlich mit roter Mütze gezeichnet. Da bekam er einen gewaltigen Aufschwung. Der schwedische Illustrator von Coca Cola, der diese neumodischen Weihnachtskarten kannte, entwickelte ihn weiter. Er war selbst ein großer, kräftiger Mann. Der Jultomte wurde auch als großer, kräftiger Mann mit Zipfelmütze und ganz in rot geschildert. Da haben wir ihn, den uns bekannten Weihnachtsmann, eine Mischung aus Bischof Nikolaus und heidnischem Wichtel (mit persönlicher Note).

Als die Kirche im Norden Fuß fasste, war es ihr wichtig, die alten (Haupt-) Götter loszuwerden. Die anderen Wesen; Wichtel, Wassermänner, Elfen und so weiter, blieben unbehelligt. Es gab vor 1000 Jahren wohl eine ganze Heer von Wichteln, die eine gewisse Zusammenarbeit pflegten. Die Wikinger glaubten ganz fest daran. Als der norwegisch-isländischer Dichter und Krieger Egil Skalle-Grimsson (Sohn von Glatzen-Grim, der wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem norwegischen König Harald Haarschön auswandern musste) nämlich König Erik und vor allem Königin Gunhild, die in der Saga besonders schlecht wegkommt, verfluchen wollte, schlug er den Kopf eines Pferdes ab, steckte ihn auf einen Ast am Ufer mit dem Kopf Richtung Inland, kritzelte magische Runen an diesen Haselzweig und sagte seinen Spruch. Der ging so ähnlich:

Alle Wichtel des Landes (Norwegen) sollen das Land so lange verlassen (das hieß: schlechte Ernte, Hunger und Tod), bis Erik und Gunhild das Land verlassen.

Wichtel mochten keine große Tierköpfe, vor allem nicht mit geöffnetem Rachen, wie der Drachen auf dem Wikingerschiff. Der Drachenkopf sollte nämlich die Wichtel der Feinde vertreiben. Wenn man seine Freunde besuchte, nahm man den Kopf herunter, um deren Wichtel nicht zu verärgern.

Jedenfalls wirkte es hervorragend. Gleich darauf kam König Eriks kleiner Bruder Håkon aus England zurück, um mit Unterstützung seines Pflegevaters Adalstein Norwegen zu übernehmen und christlich zu machen. Erik Blutaxt (!) und seine Gunhild sausten daraufhin kampflos ab und bekamen nach einiger Zeit Northumberland von Adalstein, wo sie nach einer Pflichttaufe schalten und walten und ihre ganzen blutdurstigen Söhne erziehen konnten.

Brot oder Zwieback/Skorpa mit Fenchel und Orangenschalen, das ist die Frage

Die Mischbrote vor dem zweiten Backen.

Früher hat man sehr gerne Skorpa in einer Dose gehabt. Wenn die Nachbarin auf einen Kaffee hineinkam, konnte man nicht immer frische Zimtschnecken (oder auftauen, da keine Gefriertruhe) auftischen. Dann gab es extra dafür getrocknetes Brot, Skorpa, Zwieback. Wenn die Nachbarin keine Zähne mehr hatte, musste sie eben ihr Gebäck in den Kaffee tunken und schlürfen. Das zugegeben etwas süße Brot kann man aber auch so essen.

Nach dem Trocknen sieht das Brot dann so aus. Zum Rezept geht es hier.