Välling – die Trinkmahlzeit

PA190002

Alete bekam neulich in Deutschland den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ für ihre Werbung für Getreide-Trinkmahlzeiten, weil diese zu Karies und Überfütterung führen können. In Schweden in Välling dagegen Kult. Vielleicht damals nicht, als arme Leute diese dünne Suppe aus oft saurer Milch und ohne Zucker löffeln mussten, aber spätestens nachdem die Hersteller den Markt erobert haben. (Ja, es stimmt natürlich, dass es nicht gesund ist, Kindern ihre Nuckelflasche  6 Mal am Tag mit Välling zu füllen; es ist auch vermehrt zu Glutenallergie gekommen – heute empfiehlt man, es bei 3 Mal am Tag zu belassen, aber von einem goldenen Windbeutel für die Hersteller ist man weit entfernt – Välling ist, wie schon gesagt, Kult, und darf nicht kritisiert werden.) Ich habe an die Firma Semper geschrieben und gefragt, ab wann sie Välling verkauft haben. 1941 wurde zwar noch nicht verkauft, aber am Produkt wurde gearbeitet. Dann ist die Mail etwas undeutlich, aber spätestens 1948 ging es los mit der Produktion. Welche andere Produzenten damals auf dem Markt waren, weiß ich nicht. Meine Mutter behauptet, dass später (in den 60-ern) sehr viel Druck auf jungen Mütter von den Behörden ausgeübt wurde, dass sie die Baby-Ernährung den Profis überlassen und nicht selbst in der Küche herumpfuschen sollten, aber dass in den 70-ern wieder viel selbst für Babies gekocht wurde. Da bin ich nicht so sicher; ich weiß nur, dass für unser Nesthäkchen Fertigbrei gekauft wurde, dass so herrlich nach künstlichen Apfel- und anderen Aromen geschmeckt haben. (Es gab damals noch Saft, den man aus Pulver und Leitungswasser herstellte; Birnen-Eis, das superlecker nach Industrie schmeckte und jede Menge andere künstliche Produkte, auf die wir Kinder getrimmt wurden! Teilweise gibt es die natürlich noch.)

Wie auch immer. Man kann auch selbst eine leckere Getreide-Trinkmahlzeit nach dem Schulkochbuch von 1949 herstellen. Mit mehr Zucker schmeckt die dann auch so schön süß, sämig und suchtgefährdend wie die Trinkmahlzeit aus der Tüte. Hier geht es zum Rezept.

Advertisements

Geräucherte Muscheln

PA060002

Nein, für dieses Bild werde ich nicht bezahlt! Im Urlaub habe ich am letzten Tag noch eine Dose Muscheln im Wasser gekauft, um sie irgendwann zu verwenden. Mein Mann wollte dann noch die Dose mit geräucherten Muscheln (Bild) haben, und diese haben wir jetzt getestet. Die Muscheln sind richtig gut. Zuerst haben wir die Hälfte für einen kleinen Vorspeisenteller wie in Frankreich verwendet. Das war sehr gut. Dann habe ich mich von einem Rezept in einem schwedischen Kochbuch inspirieren lassen, wo gebackene Rote Beten und Zwiebeln mit Räucheraal serviert wurden, bloß habe ich den Aal gegen die paar übrig gebliebenen Muscheln ausgetauscht. Da bleiben aber die Muscheln auf der Strecke, würde ich sagen, weil die Rote Beten doch ziemlich dominant schmecken. Dieses Produkt muss erst im Kühlschrank aufbewahrt werden, wenn es angebrochen ist. Mein Tipp für den nächsten Urlaub.

 

Picknick mit dem König

PA060002

Gustaf V. war der Urgroßvater von Carl XVI. Er starb 1950 und wurde sehr vom Volk verehrt, das ihn liebevoll-respektlos V-Gurra nannte. Er war ein begeisterter Sportler (und Sticker), der große Jagd-Picknicks veranstaltet, vor allem, wenn er auf Schloss Tullgarn weilte. Dann wurde auch der Tullgarnspaj serviert, der nichts für Weight-Watchers wäre. Warm schmeckt der Paj einfach super-duper-lecker. Hier geht es zum Rezept.

PA040023

Kål, Kohl oder Kraut?

PA010016

Die Schweden sind sich ganz sicher, dass die Kohlrouladen aus der Türkei mit Karl. XII nach Schweden kamen. Wahrscheinlich hat er dann auch in Deutschland Halt gemacht, um das Rezept zu verbreiten (?). Wie auch immer, schwedische Kohlrouladen beinhalten Reis und das erinnert einen schon an die kleinen gefüllten Rollen, die in Weinblättern gewickelt sind, die wir aus dem Feinkostladen kennen. Gewürzt wird nicht sehr exotisch. Salz und Pfeffer und Zuckerrübenkraut treffen den schwedischen Geschmack eher. Wenn die Kåldolmar bloß nicht so aufwendig wären, denn lecker sind sie schon. Hier geht es zum Rezept.

Und was macht man mit den kleinen Blättern, die nicht zum Einrollen taugen? Na, Stuvad vitkål, was denn sonst? Mit bestem Willen kann man an dem Rezept nichts Südländisches finden. Es ist eine traditionelle Beilage zu Hackfleisch- und Speckgerichten. In meinem etwas neueren Standardkochbuch habe ich das Rezept nicht mehr gefunden, wohl aber im Schulkochbuch meiner Mutter. So was gab es öfters in den 50. Hier geht es zum Rezept. Schade, dass das Gericht so unansehnlich auf dem Foto wirkt, aber ich hatte gerade keine gebratenen Falukorv zur Hand, um das Foto aufzumotzen.

PA010014