Frohe Weihnachten! God Jul!

Tomtekunde am Tag vor dem Dopparedag (Eintunketag = der Tag an dem man Brot in fetter Brühe tunkt): Nicht nur wird am Heiligen Abend eingetunkt, es wird auch Brei serviert. Vergesst den Tomte dabei nicht! Wenn er seinen Tomtegröt/Risgrynsgröt/Reisbrei – oder im original Gerstenbrei – samt Butterklecks nicht morgen Abend bekommt, kann er sehr ungemütlich werden. Dieser Brauch ist immer noch nicht ganz vergessen. Leider gibt es viel zu wenige Hauswichtel heutzutage. Da die Bevölkerung über die Jahrtausenden größer geworden ist, reichen die Wichtel nicht für alle. Man kan nur sicher herausbekommen, ob man einen hat, wenn man ihm Brei hinausstellt. Wenn der Brei am Morgen weg ist, dann hat man einen. Wenn nicht, schade!

Der Tomte (Hauswichtel) hat angeblich seinen Namen von dem Wort Tomt (= Grundstück) oder umgekehrt bekommen. Jedenfalls ist er ziemlich sesshaft, wenn er nicht geärgert wird. Laut Überlieferung ist der Tomte männlich, lebt ewig, daher sehr alt, und vermehrt sich nicht. In dem berühmten Weihnachtsgedicht von Viktor Rydberg geht es nämlich darum, dass der Tomte sich überlegt, woher die kleinen Kinder kommen und wohin die alten Leute gehen. Die meisten Menschen kennen von dem langen Gedicht inzwischen nur diese Strophe:

Snön ligger vit på taken,

endast tomten är vaken.

(Der Schnee liegt weiß auf dem Dach, nur der Tomte ist wach.)

Tomte Tummetott aus der Geschichte wurde nach dem Daumen (= Tumme; kindlich: Tummetott) benannt, wohl weil er so klein war.

Das Wort Tummetott kennt übrigens jedes Kind vom Fingerspiel: Tummetott (der winzige Daumen), Slickepott (der Finger zum abschlecken), Långeman (der lange Mann), Gullebrand (leuchtendes Gold = Ringfinger) och Lille Vickevire (der kleine Wackelfinger).

Jetzt dürfen wir morgen früh das letzte Türchen am Adventskalender öffnen und dann gibt es Tomtebrei – Weihnachten ist da! Frohes Fest!

Schwedische Weihnachtsgutsies

Knäck und Kola – selbstgemachte Toffies in unterschiedlicher Zähigkeit! Knäck gibt es nur selbstgemacht und zu Weihnachten. Kola kann man auch kaufen. Wie das Selber machen geht: Siehe hier!

Lucia!

Heute kommt Lucia! Auf Youtube gibt es immer wieder neue Luciakonzerte, aber ich habe erst gestern die Münchner Lucia des Schwedischen Chores erlebt und den Wohlgesang immer noch in den Ohren!

Wer Weihnachten schwedisches Essen haben möchte, sollte sich vielleicht bald Gedanken machen, aber wirklich Eile ist nicht geboten.

Hering kann man selbst einlegen. Bei HIT in München habe ich Salzheringsfilets gesehen. Man kann aber für cremige Varianten auch Matjes in Öl nehmen. Die Heringsgläser von Larsen sind richtig gut. Es gibt sie aber nicht bei jedem Edeka. In Ebersberg bei München schon. Wahrscheinlich auch bei Karstadt Münchner Freiheit. Da habe ich auch immer Appetitsild für Janssons Versuchung gefunden. Da würde ich im Raum München zuerst versuchen. Bei IKEA gibt es auch Heringsgläser.

Lachs gibt es in jedem Laden.

Fleisch: Mit der Schnellpökelmethode bekommt man noch alle Gerichte bis Weihnachten hin. Aus einem großen Stück Wammerl/Bauchspeck kann man gleich mehrere Gerichte zaubern. Die Rippen ausschneiden und gut gewürzt im Ofen garen. Ein schönes Rechteck schneiden und daraus eine Rollsülze machen. Dieses Jahr habe ich sie traditionell gebunden und im Kochtopf zusammen mit den Abschnitten vom Wammerl und etwas Suppengemüse gekocht. Aus den Abschnitten bekommt man die normale Sülze hin. Den Sud braucht man, um das Weihnachtsbrot darin zu tunken. Man kann auch einen kleinen Schweinebraten auf dieser Weise als Weihnachtsschinken kochen. Köttbullar nicht vergessen.

Vegetarisch gibt es traditionell nicht allzuviel, außer Rotkohl, „Braunkohl“ aus Weißkraut mit Zuckerrübensirup, Grünkohl und braunen Bohnen. Aber hier und da auf dem Blog findet ihr vegetarische modernere Gerichte, die ich auch ausprobiert habe.

Viele Schweden kochen für sich und für den Tomte einen schönen Milchreis mit Zimt. Mit einer Mandel versteckt, damit herauskommt, wer im nächsten Jahr heiraten wird. Für den Tomte einen Klecks Butter, bitte schön.

Alle Rezepte habe ich unter Buffet/Julbord gesammelt.

Auf dem Foto die minimalistische Variante eines Julbords.

Wichtel auf dem Dachboden

Wenn in Schweden jemand spinnt, sagt man: Du hast wohl Wichtel auf dem Dachboden!

Inzwischen kennt ja jeder den schwedischen Tomte. Er hat sich über die Jahre sehr verändert. Noch vor gut hundert Jahren wusste man, dass er sich irgendwo im Haus oder auf dem Hof aufhält. Er war sehr spießig. Es gefiel ihm nur bei fleißigen und ordentlichen Bauersleut´. Bei denen half er kräftig mit. Er war meistens unsichtbar, aber wenn er sich ab und zu zeigte, wurde er als graues Männchen beschrieben. Schlampigen Bauern verließ er einfach. Dann ging alles viel schneller Berg ab. Immer noch gibt es Leute, die dem Tomte einen Teller Reisbrei am Heiligen Abend herausstellen – nicht dass er besonders christlich wäre, aber inzwischen erwartet er an diesem Tag seinen leckeren Brei. Und bitte schön mit einem Klecks Butter oben drauf, sonst wird er stinksauer. Der Hoftomte wurde dann freundlich mit roter Mütze gezeichnet. Da bekam er einen gewaltigen Aufschwung. Der schwedische Illustrator von Coca Cola, der diese neumodischen Weihnachtskarten kannte, entwickelte ihn weiter. Er war selbst ein großer, kräftiger Mann. Der Jultomte wurde auch als großer, kräftiger Mann mit Zipfelmütze und ganz in rot geschildert. Da haben wir ihn, den uns bekannten Weihnachtsmann, eine Mischung aus Bischof Nikolaus und heidnischem Wichtel (mit persönlicher Note).

Als die Kirche im Norden Fuß fasste, war es ihr wichtig, die alten (Haupt-) Götter loszuwerden. Die anderen Wesen; Wichtel, Wassermänner, Elfen und so weiter, blieben unbehelligt. Es gab vor 1000 Jahren wohl eine ganze Heer von Wichteln, die eine gewisse Zusammenarbeit pflegten. Die Wikinger glaubten ganz fest daran. Als der norwegisch-isländischer Dichter und Krieger Egil Skalle-Grimsson (Sohn von Glatzen-Grim, der wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem norwegischen König Harald Haarschön auswandern musste) nämlich König Erik und vor allem Königin Gunhild, die in der Saga besonders schlecht wegkommt, verfluchen wollte, schlug er den Kopf eines Pferdes ab, steckte ihn auf einen Ast am Ufer mit dem Kopf Richtung Inland, kritzelte magische Runen an diesen Haselzweig und sagte seinen Spruch. Der ging so ähnlich:

Alle Wichtel des Landes (Norwegen) sollen das Land so lange verlassen (das hieß: schlechte Ernte, Hunger und Tod), bis Erik und Gunhild das Land verlassen.

Wichtel mochten keine große Tierköpfe, vor allem nicht mit geöffnetem Rachen, wie der Drachen auf dem Wikingerschiff. Der Drachenkopf sollte nämlich die Wichtel der Feinde vertreiben. Wenn man seine Freunde besuchte, nahm man den Kopf herunter, um deren Wichtel nicht zu verärgern.

Jedenfalls wirkte es hervorragend. Gleich darauf kam König Eriks kleiner Bruder Håkon aus England zurück, um mit Unterstützung seines Pflegevaters Adalstein Norwegen zu übernehmen und christlich zu machen. Erik Blutaxt (!) und seine Gunhild sausten daraufhin kampflos ab und bekamen nach einiger Zeit Northumberland von Adalstein, wo sie nach einer Pflichttaufe schalten und walten und ihre ganzen blutdurstigen Söhne erziehen konnten.

Brot oder Zwieback/Skorpa mit Fenchel und Orangenschalen, das ist die Frage

Die Mischbrote vor dem zweiten Backen.

Früher hat man sehr gerne Skorpa in einer Dose gehabt. Wenn die Nachbarin auf einen Kaffee hineinkam, konnte man nicht immer frische Zimtschnecken (oder auftauen, da keine Gefriertruhe) auftischen. Dann gab es extra dafür getrocknetes Brot, Skorpa, Zwieback. Wenn die Nachbarin keine Zähne mehr hatte, musste sie eben ihr Gebäck in den Kaffee tunken und schlürfen. Das zugegeben etwas süße Brot kann man aber auch so essen.

Nach dem Trocknen sieht das Brot dann so aus. Zum Rezept geht es hier.

Pepparkakor – Rezept von Anno dazumal

Hier kommt das Pepparkaksrezept der Saison (herunterscrollen)! Ich habe wieder ein antikes Rezept ausgegraben und getestet. Es kann sein, dass es etwas in der finnischen Art ist, denn in Finnland wird auch der Teig im Kochtopf gemacht. Die Sendung Galileo meldet sich immer wieder bei mir, in der Hoffnung, dass ich irgendwelche Filmsternchen aus Schweden in meiner Schublade habe. Einmal wollten sie, dass jemand live Pepparkakor backt. Jedenfalls hatten sie auch bei den Finnen gefragt und die waren schneller. Die Jazzsängerin Tuija Komi hat da ihren Teig im Fernsehen gekocht – das hat mich dann sehr überrascht, bis ich diese alten schwedischen Rezepte gesehen habe! Eben hat sie wieder ihre Plätzchen auf Facebook gepostet und deshalb habe ich mich daran erinnert. Übrigens gibt sie immer tolle Weihnachtskonzerte im Raum München.

Ob der Teig, wie hier gekocht, oder wie in meinem bevorzugtem Standardrezept nicht, ist wohl Geschmacksache. Dieser Teig war sehr gut zum Handhaben, wobei der andere auch nicht schlecht ist. Ich finde, das Rezept ohne Kochtopf ist besser gewürzt, aber das kann man ja abändern.

Ach ja, was wollte Galileo diesmal? Jemand, der Kaffee in der traditionellen Art der Samen in Lappland kocht. Da kommt nämlich Käse hinein. Und zwar sollte es jemand sein, der diese Kultur praktiziert und in München wohnt, was wohl ein Widerspruch in sich ist. Ja, dann, viel Glück!

9. Dezember = Pepparkaka

Heute, am 9. Dezember ist der Tag, an dem man in Schweden seit 1996 den Pepparkaka feiert! Das ist bisher an mir vorbeigegangen. Wahrscheinlich wollen die Hersteller ihre Produkte loswerden, in der Gewissheit, dass die Wenigsten schon zu Hause gebacken haben. Doch Hauptsache ist, es gibt einen Pepparkaka zum Luciatag am 13. Dezember. Da haben wir genug Zeit, auch wenn der Teig ein paar Tage im Kühlschrank ruhen soll. Hier geht es zum Rezept. Das erste Rezept im Link habe ich ganz oft hergenommen. Es gelingt immer und das Ergebni ist super! Das zweite Rezept ist historisch und ist mir auch gelungen, das einzige Mal, das ich es getestet habe. Dieses Jahr will ich ein für mich neues historisches Rezept ausprobieren. Der Teig ruht schon im Kühlschrank. König Oskar ist entweder der Urheber, oder (wahrscheinlicher) das Krümelmonster in der Backstube. Oder vielleicht nur der Namensgeber? Jedenfalls gibt es im Handel schon „Kung Oskars Pepparkakor“. Die Frage ist, geht es hier um das gleiche Rezept. Das werde ich in wenigen Tagen sehen und berichten.