Bloß nichts versemmeln

Semla med trekantigt lock

Was ist eine „Semla“ und wann ist die Zeit, dieses Gebäck zu genießen? Also, es gibt Bäckereien, die schon direkt nach Weihnachten mit dem Verkauf anfangen. Ich denke, sie tun sich keinen Gefallen damit, denn das stößt auf jeden Fall gegen die guten Sitten! Aber irgendwann mal im Januar scheint die Zeit gekommen zu sein. Die Conditorei Nordpolen schickt uns täglich eine neue Meldung über ihre Semmelbäckerei. Wer aber ganz strenggläubig (bzgl. der Semmelverehrung) ist, und durchhalten kann (was sicher die wenigsten Schweden schaffen), darf aber erst am Faschingsdienstag loslegen. Eigentlich hat man früher wohl nur diese eine Chance gehabt, würde ich schätzen, denn danach fängt die Fastenzeit an, aber da man in Schweden den Unterschied zwischen Fasching (Fastlag) und Fasten (Fasta) schon lange nicht mehr versteht – es ist ja auch nicht so unglaublich viel los in der Faschingszeit, dadurch dass man in Schweden nie besonders scharf auf irgendwelche Faschingsumzüge im Februar war – die Zeit für Faschingsgebäck fällt also vorwiegend in der Fastenzeit. Und zwar dienstags.

Das Wort „Semla“ hat man früher weniger gebraucht. Man hat z. B. „Hetvägg“ – heiße Wecken – gesagt, und dieses Gebäck war wahrscheinlich nicht mal gefüllt, sondern würde einfach mit süßer, heißer Milch serviert. Der deutschstämmige schwedische König Adolf Fredrik ist für nichts anderes bekannt, als dass er durchs Semmelessen ums Leben kam. Er hat zwar schon vor dem Nachtisch jede Menge Leckerien zu sich genommen, aber Schuld an dem Schlaganfall bekommt immer seine „Semla“. Später hat man die Semla schon etwas gefüllt, aber die Sahne ist eine relativ späte Geschichte. Inzwischen gibt es regelmäßig neue Semmelerfindungen, wie „Semmel-Wraps“ und – gaaanz neu! – die Prinzessinsemla, eine Mischung aus Prinzessintorte und Semla. Erfunden in Nässjö! Die Smålänningar waren schon immer ein innovatives Völkchen.

Vielleicht backe ich auch eine Prinzessinsemla. Im Moment bin ich nicht so weit. Dies ist sozusagen nur eine Vorschau auf die Semmelzeit, die bei mir noch nicht angefangen hat. Es gibt nämlich noch zwei Tüten Zimtschnecken im Gefrierschrank, und sie sind zuerst dran. Hier geht es zum Semmelrezept.

Nachtrag:

Ein etwas langatmiger Bericht über den Geschmack der Prinzessinsemmel aus Nässjö. Kurzfassung: Die Originalprinzessinsemmel kostet 40 Kronen, was für eine Semmel in der Provinz ziemlich teuer ist. Sie ist eher süß, vor allem der Deckel, und bekommt 7 Punkte von 10. Zudem sagt der Mann in schwarz, dass er zum ersten Mal eine Semla vor dem Faschingsdienstag genießt, da seine Mama in solchen Sachen sehr streng wäre. Die Semla ist mit Marzipan eingekleidet und hat einen Klecks Himbeermarmelade im oberen Bereich, ist sonst wie eine normale Semla, vielleicht etwas kompakt und klein gebacken und schmeckt schön nach Kardamon. Die Sahne ist sehr steif geschlagen. So, jetzt wisst ihr Bescheid.

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