Reime und Sprüche

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Wie hat man die Weihnachtsgeschenke eingepackt in der Zeit, als es noch gar keinen Tesafilm gab? Wenn man alte schwedische Weihnachtskarten ansieht, bekommt man es schnell heraus, denn darauf sind oft brave Kinder, die rotes Lack auf voluminöse Pakete drücken. Statt „Weihnachten naht“, sagt man „es lackt gegen Weihnachten“. Ein Paket mit Lack zu verschließen ist gar nicht so einfach, vor allem nicht, wenn das Papier ganz dick ist, und sich ständig aufrollen will! Das Geschenk auf dem Bild ist jedenfalls ordentlich zugeklebt, und sogar mit „God Jul“ gestempelt worden, auch wenn es kaum zu sehen ist. Für Weihnachtsgeschenke sagt man aber nicht „Geschenk“, sondern „Julklapp“, was mit klopfen zu tun hat. Die ersten „Julklappar“ waren meistens ein Stück eingepacktes Holz, das mit einem frechen Vers versehen, von außen gegen das Haus geschmissen wurden, so dass es schepperte. Wenn der Beschenkte heraus kam, war der Geber schon längs über alle Berge.

Holzstücke werden nicht mehr geschmissen, aber „Julklappar“ auch heutzutage manchmal mit einem Reim versehen. Die Qualität ist so in der Art:

Von der lieben Oma in Hamm, bekommst du hiermit einen ….

oder:

Damit es dir an die Hände nicht so kalt, schenke ich dir eine warme Überraschung bald

Dann ging man zum Essen über, und dann durfte der Reisbrei (noch früher Gerstenbrei, aber zur Feier mit Milch gekocht) nicht fehlen. Zum Julbrei wurde auch noch gereimt:

Dieser Brei ist schön und weiß, hoffenlich nicht allzu heiß

oder:

Hoffentlich finde ich die Mandel vor, dann stehe ich bald vor dem Kirchentor

Wer die versteckte Mandel im Reisbrei findet, darf nämlich noch im folgenden Jahr heiraten, was Lina und Alfred in Michel aus Lönneberga durchaus bewusst war, als einer von ihnen die Mandel bekam, was Lina, die Magd, sehr erfreute, aber Alfred, den Knecht, gar nicht.

Wenn man sich schon mal die Mühe macht und einen Milchreis kocht, dann sollte man daran denken, das der Hauswichtel unbedingt eine Schüssel haben will. Und zwar mit einem Klecks Butter oben drauf. Sonst wird er ganz schön sauer. Im Saltkrokanfilm stellen die Kinder den Brei für den Wichtel nach draußen, und dann kommt der Fuchs und vertilgt den ganzen Brei.

Der alltägliche Brei, der Weihnachten früher ausnahmsweise mit Milch gekocht wurde, wird inzwischen oft als „Ris à la Malta“ gegessen. Das ist eine Verballhornung von „Riz à l´Amande“, Mandelreis. Dafür rührt man Schlagsahne in den süßen Brei. Ja, und anscheinend Mandeln. Aber die beliebteste Variante ist m. W. mit Orangenstücken. Eigentlich ist es so eine Art Reis Trauttmannsdorf.

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Ein Kommentar zu “Reime und Sprüche

  1. Rabin sagt:

    Allein die Idee, Geschenke zu versiegeln finde ich schon total super. Nachahmenswert, um genau zu sein. Und die Bräuche um schwedisches Weihnachten gefallen sowieso. 🙂

    Neujahrsgrüße – noch ist Jänner, da geht das. 😉

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