Was die Skandinavier wirklich essen

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Ja, die drei kleinen Schnittchen mit dem Schnaps vorweg (Ersatz für das Smörgåsbord vor dem Essen) zum Beispiel nicht mehr.

Ihr wisst ja wie es im Internet ist. Eins führt zum Anderen. Da habe ich Stefan Ekengrens Blog gelesen, wo er sich enttäuscht über die Bewertung im White Guide zeigt, schwupps habe ich diese Site aufgerufen und da finde ich ein Interview mit dem Koch Magnus Nilsson, der ein Buch über die nordische Küche geschrieben hat – das ich nicht gelesen habe, muss ich zugeben. Magnus Nilsson ist der Küchenchef von einer sehr vornehmen Alm, Fäviken in Jämtland, wo Speisen serviert werden, von denen niemand vorher gehört hat. Oder so ähnlich. (Und der Besitzer einer Wurstfabrik und ein paar hochklassigen Wurstbuden im Raum Stockholm.) Aber in seinem Buch The Nordic Cook Book hat er auch Rezepte gesammelt, die wirklich im Umlauf sind. Doch zunächst haben Leute für sein Projekt mit vor allem so etwas wie „Omas traditionelles Heringsrezept“ beigetragen, das allerdings aus einer Wochenzeitschrift von 1983 oder so ähnlich stammte. Magnus Nilsson hat weiter geforscht und viele Ähnlichkeiten zwischen der schwedischen, norwegischen und dänischen Küche gefunden, und festgestellt, das die Finnen sich etwas mehr von den anderen unterscheiden. Dort ist die Küche oft sehr russisch angehaucht. Lustig: Der Krustenbraten in Dänemark hat ein Streifenmuster (so wie in Franken?), aber die Norweger wollen ihn mit Rauten essen. Aber natürlich ist er in beiden Ländern (so wie in Bayern) eine Art Nationalgericht.

Über die Entstehung moderner schwedischer Gerichte weiß er einiges. Ich selbst höre ja immer wieder von Deutschen, dass sie den schwedischen Kladdkaka so toll finden. Dabei war er zu meiner Zeit kein Begriff (für mich). Damals, als ich als Studentin die Großstadt erkundigte,  war der Mandelkuchen der Renner. Magnus Nilsson erklärt, dass das Rezept des Kladdkaka zum ersten Mal im Jahr 1972 belegt ist. Er spricht im Interview auch von dem famösen Taco-Pie. Irgendwann mal hörten die Leute mit dem „Süßigkeiten darf man nur samstags essen“ aus meiner Kindheit und fingen mit „freitags machen wir uns vorm Fernseher mit Tacos gemütlich“. Neue Zeiten, neue Sitten. Aus den Tacos wurde eine vereinfachtes Gericht mit Hackfleisch, Gewürzmischung und Mürbeteigboden. Meine spontane Theorie dazu, ist dass junge Mütter es einfach Leid wurden, dass ihre Sprösslinge den Inhalt ihrer Tacos über das neue Sofa kleckerten.

Das Kochbuch gibt es bei Amazon für etwa 30 €. Ein paar Kartoffelrezepte daraus ganz kostenlos findet man in der Guardian. Zum Beispiel Braendende kaerlighed (Heiße Liebe!) aus Dänemark, das jetzt gar nichts mit der heißen Liebe – Vanilleeis mit heißer Himbeersauce – zu tun hat, die man (früher?) in deutschen Theaterfoyers in der Pause bekam. Eine gescheite Beschreibung vom Buch findet man hier. Wie gesagt, ich kenne es nur vom Internet.

The White Guide, übrigens, listet tolle Restaurants. Ich glaube, ich habe niemals in einem White-Guide-Restaurant gegessen, aber ich kenne eins (wahrscheinlich nicht von den Top-Restaurants, aber immerhin), weil es irgendwie in einer Art Naturkundemuseum vor Schloss Läckö integriert ist, und ich muss gestehen, dass mich das Ambiente und das angeschlagene Menü nicht vom Hocker reißt (ich war schon öfters dort). Entweder ist aber das Essen viel interessanter als es klingt, oder die wunderbare Umgebung wertet für die White-Guide-Leute die Kantinenatmosphäre auf. Da sitzt man nämlich auf dem Präsentierteller, wenn erwartungsvolle Schulklassen und Rentnergruppen zuerst am Fenster vorbei streichen und dann hereinlatschen. Gemütlich ist was anderes. Aber besucht gerne Schloss Läckö bei Lidköping in Westschweden. Es ist richtiges Märchenschloss!

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