Barkbröd

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Ich wollte schon immer Barkbröd probieren. Es ist ein Klassiker in der Literatur über die alten bösen Zeiten, als die Leute das Mehl mit Baumrinde strecken mussten. Jeder stellt sich vor, man nimmt etwas von der groben Rinde einer Fichte, mahlt sie mehr oder weniger, backt sein Brot und würgt es herunter. Aber so ist es gar nicht. Man nimmt die feine Rinde von der Innenseite und die Herstellung ist bestimmt nicht so einfach. Außerdem möchte man nicht unnötigerweise Bäume kaputt machen, um ein Backexperiment zu wagen.

Es war mir bekannt, dass es neuerdings Rindenbrot zu kaufen gibt. Ich hatte es allerdings nie gesehen. Und teuer sollte es auch sein. Doch heute bin ich den Bio-Laden gegangen, um Puy-Linsen für ein „königliches“ Gericht (wird schon noch hier auftauchen) zu kaufen, und da ist mir das Barkbröd ins Auge gefallen. Gleich gekauft und schon getestet. Es ist ohne Hefe gebacken, ganz dünn und knusprig, mit unterschiedlichen Farben oben und unten. Schmeckt wie Knäckebrot/Dünnbrot, nur etwas anders. Ja, der Preis ist natürlich heftig, wenn man sich davon ernähren möchte. 10 kleine Scheiben für 2,99€.

Schuld an der Vorstellung dass das Brot richtig übel schmeckt, hat sicher Johan Ludvig Runeberg, der finnische, aber schwedischsprachige Dichter, der in seinem Epos Högt bland Saarijärvis moar über einen Hiob-ähnlichen Bauer namens Paavo schreibt. Immer wieder ist die Ernte schlecht, und die Ehefrau klagt: „(Paavo, Paavo, olycksfödde gubbe, låt oss dö, ty Gud har oss förskjutit.) Lasst uns sterben, Gott hat uns verstoßen.“ Doch der fleißige Paavo meint: „(Herren prövar blott, han ej förskjuter. Blanda du till dubbelt bark i brödet, jag vill gräva dubbelt större diken, men av Herren vill jag vänta växten) Es ist nur eine Prüfung, mische du Rinde ins Mehl. Ich werde härter arbeiten und Gott wird mir eine gute Ernte geben!“ Dann endlich kommt die gute Ernte, und die Ehefrau freut sich. Paavo aber: „(Kvinna, kvinna, den blott tål att prövas, som en nödställd nästa ej förskjuter. Blanda du till hälften bark i brödet, ty förfrusen står vår grannes åker!) Diesmal hat es den Nachbar getroffen, wir müssen ihm helfen, mische du Rinde ins Mehl.“ (Unpoetische Übersetzungen von Runebergs fantastischen Zeilen.)

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